Was gefällt Dir in Deinem Umfeld? Was findest Du in Deiner Umgebung gar nicht gut? Was wünscht Du Dir für Deinen Ort? Unter dem Motto „Mitmischen macht stark“ setzten sich die im Albert-Schweitzer-Kinderdorf Thüringen e.V. betreuten Kinder und Jugendlichen mit ihrem Umfeld, ihrer familiären Situation und ihren Perspektiven auseinander. Mit einem Foto-Fragebogen zogen Sie durch das Erfurter Kinderdorf und den Alltag. Sie notierten und fotografierten, was ihnen als Kinderdorfkinder, im Verkehr oder als Schulkinder missfällt und was verändert werden sollte. Sie haben einiges gefunden. Am 29.Mai entwickelten sie beim Mitmisch-Forum daraus Ideen, Wünsche und Forderungen an die Politik. Thematisch drehte sich alles um die Themen Freizeit, Verkehr, Gewalt, Schule, Umwelt, Verselbständigung und den Kinderdorf-Spielplatz. Insgesamt wurden 17 Anträge formuliert.
» Zu den Anträgen im Einzelnen
Ihre Forderungen und Wünsche präsentierten stellvertretend einige Kinderdorfkinder am 14.Juli der Vizepräsidentin des Thüringer Landtags Birgit Pelke, Landtagsabgeordneten und Vertretern des Erfurter Stadtrats vor. Oliver (9) und Annabell (14) malten dazu mit Mareike (9) ein Plakat. Denn für alle Forderung der Albert-Schweitzer-Kinderdorfkinder werden Politiker als Paten gesucht. Sie sollen helfen die Ideen, Wünsche und Forderungen der Kinder voranzubringen und den Kindern entsprechend zeitnah Rückmeldung zu geben.
» mehr zur Übergabe in Thüringen
(Pressemitteilung)
Mareike (9) wohnt seit 5 Jahren im Albert-Schweitzer-Kinderdorf Thüringen und geht auf die „Astrid-Lindgren-Grundschule“ in Erfurt. Auf dem Schulweg fühlt sie sich immer wieder unsicher, wenn sie die Kreuzung Schöntal / Ernst-Haeckel-Straße überquert. Beim Mitmisch-Forum stellte die 9-jährige daher den Antrag, dass dort ein Zebrasteifen angebracht werden soll. Sie konnte nicht nur die anderen Kinder überzeugen, die mit überwältigender Mehrheit für ihren Antrag auf sichere Schulwege stimmten, sondern stieß in der ganzen Schule auf positive Resonanz. Mittlerweile wurden zur Unterstützung Unterschriften gesammelt. Für den Zebrastreifen an der „Astrid-Lindgren-Grundschule“ hat sich Erfurts Sozialdezernentin Tamara Thierbach zur Patenschaft bereit erklärt. Sie wird sich beim Verkehrsamt erkundigen, ob der Zebrastreifen an der gewünschten Stelle möglich ist und wird Mareike, Oliver und Annabell über den aktuellen Stand bezüglich „ihres“ Zebrastreifens informieren.
Die Betreuung der Kinder und Jugendlichen im Kinderdorf wird in der Regel mit 18 Jahren beendet. Da befinden sich die meisten Jugendlichen noch in Schul- oder Berufsausbildung. Sabrina (16) lebt seit zehn Jahren im Albert-Schweitzer-Kinderdorf. „Wir würden gerne den Zeitpunkt des Auszuges selbst bestimmen, zum Beispiel erst den Schulabschluss machen, einen Ausbildungs- oder einen Arbeitsplatz finden“, so die 16jährige. „Die Kinderdorffamilie und das Jugendamt sollten weiter für uns da sein, denn das selbständige Leben ist für uns besonders schwer.“ Viele Kinderdorfeltern stehen Ihren Schützlingen auch nach dem Erwachsenwerden noch mit Rat und Tat zur Seite. Für viele Hilfen fehlen aber die nötigen Mittel. Die Diskussion, wann Kinderdorfkinder “verselbständigt“ werden sollen, wollen nun Politiker in Thüringen weiter führen, denn sie haben eine Patenschaft für Sabrinas Antrag übernommen.
Wie andere Kinderdorf-Delegationen reiste eine Gruppe aus dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf Thüringen zum 24.Oktober 2007 nach Berlin, um den Bundestag kennen zu lernen. Einigen Bundestagsabgeordneten wurden die Forderungen stellvertretend übergeben. Die Delegation aus dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf Thüringen traf auf der Reichstags-Kuppel außerdem eine ganz besondere Frau, die Enkelin des Urwalddoktors Albert-Schweitzers. Monique Egli zu Besuch aus der Schweiz interessierte sich sehr für das Mitmisch-Forum und machte den Kindern Mut ihre Wünsche und Forderungen auszusprechen und Politiker damit anzusprechen.