ICH ERINNERE MICH:
Wir waren in meiner Familie fünf Geschwister. Ich galt als überaus normales Kind, vergnügt und unbeschwert, frech, aber auch schüchtern. Es gäbe viel aus meinen ersten Kinderjahren zu berichten: von selbst gedichteten Theaterstücken über herrliche Kinderfeste, die meine Mutter liebevoll inszenierte. Oder von Ferienbesuchen bei der geliebten Oma in Dresden, die für jedes ihrer Enkelkinder im Eingangsrondell des Gartens ein Rosenbäumchen gepflanzt hatte und uns stets neue Bücher schenkte. Unser "Ömchen" war wirklich die Größte, und nach dem jähen, traurigen Tod der Eltern (Anfang der 30er Jahre) wurde sie zum „rettenden Engel“, der uns das Zuhause erhielt und unser Heranwachsen behütete, so gut sie es vermochte.
Wir fünf Brücher-Kinder hingen damals wie die Kletten aneinander und versprachen uns, "tapfer zu sein". So weiß ich aus eigener Erfahrung, wie wichtig ein liebevolles Zuhause und die Verbundenheit der Geschwister sind, wenn man nicht mehr mit seinen Eltern leben kann. In dieser Absicht geben auch die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer seit nunmehr 50 Jahren Kindern Halt und Geborgenheit - ein großartiges und wichtiges Engagement, an erster Stelle der Kinderdorfeltern. So werden Albert-Schweitzer-Kinderdorffamilien zu Orten des Vertrauens und der Solidarität. Sie sind Keimzellen der sozialen Verantwortung und des friedlichen Miteinanders, dessen Förderung in unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft unverzichtbar ist.
In diesem Sinne schulden wir allen in den Kinderdörfern tätigen Frauen und Männern Dank, verbunden mit einem herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Für die nächsten Jahrzehnte wünsche ich weiter Erfolg und ein glückliches Zusammenleben zwischen Jung und Alt.
Dr. Dr. h. c. Hildegard Hamm-Brücher
Dr. Dr. h. c. Hildegard Hamm-Brücher ist Schirmherrin der FAMILIEN-DEBATTEN in Kooperation mit deutschen Hochschulen