"Lasst uns das diskutieren", sagen viele, wenn es darum geht, gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen für Familien und Kinder zu verändern. Zu oft finden Diskussionen zu diesem Thema nur in eingeweihten Fachkreisen statt. Das Projekt Familien-Debatten an deutschen Hochschulen in Kooperation der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und -Familienwerke mit dem Verband der Debattierclubs an Hochschulen e.V. (VDCH) will unter jungen Menschen Diskussionen zum Thema Familie anregen. Schirmherrin der Familien-Debatten ist Dr. Dr. h. c. Hildegard Hamm-Brücher. Die "Grande Dame der deutschen Nachkriegspolitik" und Staatsministerin a. D. engagiert sich bis heute für die Förderung der politischen Kultur und Bildung insbesondere an Universitäten.
Wer richtig diskutieren will, muss es gelernt haben. Dies kann man zum Beispiel an Debattier-Clubs an Universitäten in Deutschland und der ganzen Welt. Hier wird im Stil des britischen Parlaments diskutiert. Debattier-Clubs gibt es in angelsächsischen Ländern an vielen Schulen und Universitäten. Auf regionalen, nationalen und internationalen Turnieren messen sich die besten Debattierer/-innen untereinander. Bei unseren Familien-Debatten an deutschen Hochschulen steht jeweils eine bestimmte Frage zu Familien in unserer Gesellschaft im Debatten-Kreuzfeuer zwischen Pro und Kontra.
Als zukünftige Familiengründer/-innen werden junge Menschen im Studium in der Familien-Diskussion oft außen vor gelassen. Die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und -Familienwerke wollen in Zusammenarbeit mit den Debattier-Clubs mit diesem Projekt dazu beitragen, dass sich das ändert. Wir wollen jungen Menschen zuhören und die Diskussion sowie den öffentlichen Dialog zum Thema Kinder und Familie unter Studierenden als Entscheider/-innen von morgen zum Thema Kinder und Familie fördern. Wir freuen uns auf manches unbekannte oder ungeahnte Argument und eventuell die eine oder andere frische Idee zum Thema Familie. Zum 50jährigen Jubiläum der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer wurden im Jahr 2007 erstmals Sonderdebatten rund um die Themen "Familie" und "Kinder" in Kooperation an unterschiedlichen Universitäten in ganz Deutschland veranstaltet.
An deutschen Universitäten existieren zum Teil schon seit vielen Jahren Debattier-Clubs. Im Jahr 2001 organisierten einige dieser Clubs spontan eine erste Deutsche Debattier-Meisterschaft in Berlin. Kurz danach gründete die noch junge Debattierszene den Verband der Debattier-Clubs an Hochschulen e.V. (VDCH). Seitdem sind viele Debattier-Clubs über den VDCH organisatorisch vernetzt. In Zusammenarbeit mit der Wochenzeitung DIE ZEIT richtet der VDCH deutschlandweite ZEITDebatten und Debattier-Meisterschaften aus.
Beim Debattieren geht es grundsätzlich darum, ein Thema kontrovers
zu diskutieren. Der Rahmen ist angelehnt an die Debatten im Britischen Unterhaus. Das
bedeutet: Es gibt eine Streitfrage, auch Antrag genannt, beispielsweise "Brauchen wir
einen Familienführerschein?", zwei Parteien, eine Pro und eine Kontra, und Juroren.
Dann geht's los. Der erste Pro-Redner sagt in etwa sieben Minuten, weshalb er die
Streitfrage positiv beantworten würde. Danach legt der erste Kontra-Redner dar, wo
die Argumentation des ersten Redners Schwächen hat und weshalb man den Antrag ablehnen
sollte. So geht es abwechselnd weiter, bis alle Redner ihre Rede gehalten haben. Da
die historischen Wurzeln des Debattierens in der politischen Debatte liegen, spricht
man auch von Regierung und Opposition. Dies bedeutet nicht, dass sich die Debattierenden
mit bestimmten Parteien oder Personen des aktuellen politischen Geschehens identifizieren.
Die Position der Teilnehmer wird vor der Debatte ausgelost. Nicht selten steht man vor
der Herausforderung, gegen seine eigene Meinung argumentieren zu müssen. Aber das macht
die Sache erst richtig reizvoll. Es können auch während der Reden Zwischenfragen gestellt
werden. Debattierer sind stets daran interessiert, ihre rhetorischen Fähigkeiten zu
verbessern. Die Juroren geben am Ende der Debatte ein Feedback zu den Leistungen der
einzelnen Redner. Dabei wird neben dem inhaltlichen Aspekt auf die Logik der Argumente,
auf die Gestik, Mimik und Sprache, aber auch auf den Publikumskontakt Wert gelegt.
Bei Turnieren ergeben sich daraus die Wertungen und somit die immer wieder spannende
Entscheidung, wer den besten Redner oder das beste Team gestellt hat.
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