Kinderdorffamilie — das bedeutet jeden Tag pulsierendes Leben. Wie in allen Familien bestimmen Kindergarten, Schule, Hobbys, Termine und das gemeinsame Essen den Tagesablauf mit. Manchmal herrscht dicke Luft, dann wieder ist die Stimmung super. Auf alle Fälle ist immer etwas los. Manche Familien wohnen direkt in einem Albert–Schweitzer–Kinderdorf, andere dezentral in der Region. Kinderdorffamilien nehmen am sie umgebenden Leben teil, pflegen vielfältige Kontakte und Freundschaften.
Die Elternrolle übernehmen unsere "Kinderdorfeltern", auch "Hauseltern" genannt. Sie bilden mit bis zu sieben Kindern und Jugendlichen sowie gegebenenfalls ihren leiblichen Kindern eine Kinderdorffamilie. In den 50 Jahren unseres Bestehens sind die sozialen und pädagogischen Aufgaben der Kinderdorfeltern vielfältiger geworden. Daher hat mindestens ein Elternteil eine entsprechende sozialpädagogische Ausbildung und Berufserfahrung. Der Partner arbeitet ehrenamtlich mit.
Unsere Kinderdorffamilien bestehen aus ganz verschiedenen großen und kleinen Menschen. Jede Familie hat eigene Ideen und Vorstellungen. Die Kinderdorfeltern handeln fachlich nach pädagogischen Grundsätzen und gestalten das Familienleben weitgehend selbstständig. Erzieher– und Hauswirtschafter/–innen unterstützen sie im Familienalltag, psychologische und therapeutische Fachkräfte in ihrer professionellen Arbeit.
Manchmal können Eltern ihren Kindern aus unterschiedlichen Gründen nicht das für ihre Entwicklung nötige verlässliche Zuhause bieten. Schlimmstenfalls muss das zuständige Jugendamt ein Kind von seiner Familie trennen. Dann braucht dieses Kind Menschen, die ihm auf Dauer oder auf Zeit zuverlässig Schutz, Aufmerksamkeit und Zuwendung geben. Genau dafür sind unsere Kinderdorffamilien da.
Sie bieten Lebensräume, die sich am normalen Familienleben orientieren. So erhalten die aufgenommenen Kinder und Jugendlichen optimale Entwicklungschancen, denn wir können sie intensiv und individuell fördern. Ziel ist es, den Kontakt zu den leiblichen Eltern zu halten und die Ursprungsfamilie zu stabilisieren, um sie eventuell wieder zusammenzuführen. Der ganzheitliche Ansatz familienorientierter Erziehung in einer Kinderdorffamilie hat sich in vielerlei Hinsicht bewährt:
Das Engagement der Kinderdorfeltern währt oft viele Jahre. Sie möchten den ihnen anvertrauten jungen Menschen alles mitgeben, was diese für ein selbstständiges Leben brauchen. Die Albert–Schweitzer–Kinderdörfer und –Familienwerke bieten Ausbildungs– und Berufsförderungsmaßnahmen an oder vermitteln diese. In der Ausbildung stehende Jugendliche können in eine betreute Wohnform wechseln. So begleiten wir sie schrittweise in die Selbstständigkeit. Viele frühere Kinderdorfkinder sind längst selber Eltern geworden und besuchen ihre "Kinderdorf–Großeltern" mit ihren Kindern.